Engelbert

 

Sommerlager 1997 in der Normandie (Bayeux)

 

Oder: Meine geilste Fahrt zu einem Sommerlager

 

 

„Scheiße“ dachte ich, als vor dem Sommerlager die Klausurentemine an der Uni bekannt gegeben wurden. Die letzte Klausur lag nämlich nach dem Abfahrtstermin ins Lager. Für einen vorbildlichen Studenten bedeutet das: Lager ausfallen lassen, Klausur schreiben danach lernen. Für einen vorbildlichen Pfadfinder: Klausur ausfallen lassen, mit ins Lager. Da ich weder das eine noch das andere war und außerdem mit Günni einen Leidensgenossen hatte, beschlossen wir, dann eben einen Tag später mit Michaels Auto nachzufahren.

 

Was soll ich sagen: Während der Klausur war ich geistig schon in Frankreich, bestanden habe ich trotzdem, ich weiß heute schon gar nicht mehr, welche Klausur das war.

 

Abends ging es dann los, Gü rollte mit dem Wagen an, und guter Stimmung ging es auf der A40 Richtung Westen. Ausgerüstet mit viel guter und vor allem lauter Musik und Kaffee fuhr ich das erste Stück. Nach kilometerlangem nächtlichen Fahren ohne Licht in Belgien (sind aber auch wirklich gut beleuchtet, die Autobahnen dort!) ging es dann mit der aufgehenden Sonne über kleinere Straßen in Frankreich. Ich habe selten eine geilere Autofahrt erlebt als diese, durch eine faszinierende Landschaft, zu einer Zeit, als die Straßen noch frühmorgendlich frei waren. Der erste positive Eindruck der Normandie war da.

 

Am Vormittag kamen wir dann an, herzlich aufgenommen von den anderen. Schön war es, mal auf einen Lagerplatz zu kommen, auf dem schon alles aufgebaut ist.

 

Der Rest des Lagers war dann auch super: Es gab faszinierende Hikes an der Steilküste des Atlantiks entlang und über Friedhöfe, es gab einen tollen Zeltplatz an der Mühle, deren Namen ich nicht mehr genau weiß, nur dass sie irgend so einem Pfadfinderstamm aus Bochum-Harpen gehört. Es gab tolle Spiele, eine unvergessliche Nachtwanderung mit Rover-Geistern, es gab Ausserirdische und jede Menge Spaß. Auch dieses Lager stiftete wieder einiges an Zweisamkeit, von den damaligen Paarungen überstand aber meines Wissens keine den Wandel der Zeit. Unvergessen bleibt mir auch die Szene, als ich nachts Bratkartoffeln mache und Miriam es vor Hunger kaum abwarten kann. Voller Ungeduld schaut sie deshalb mit einer Kerze nach, „ob die Kartoffeln denn schon gut sind“. Leider missachtet sie dabei das physikalische Grundgesetz, dass wenn man eine Kerze von dem senkrechten in den waagerechten Zustand bringt, das flüssig gewordene Wachs sich den kürzesten Weg zum Abfließen sucht: In diesem Fall direkt in die Pfanne mit den Bratkartoffeln. (Man konnte einen Teil zum Glück immer noch essen!). Immer in Erinnerung bleiben wird mir aber auf ewig diese Fahrt nach Frankreich hin: It`s scouting!

 

 

Tobias Schwering



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